Einblicke in Jugendmilieus. Hier wird‘s bunt. Anders als andere Studien beschreibt die Sinus-Jugendstudie nicht allein auf wissenschaftlich-empirischer Ebene, »Wie ticken Jugendliche?« (so der Titel der Reihe, die alle vier Jahre erscheint) – sondern sie gibt auch ausgewählte Einblicke: die klassifizierten jugendlichen Lebenswelten (von »Prekären« über »Konsum-Materialisten« und »Experimentalisten« bis hin zu »Neo-Ökologischen«) werden vielfach mit O-Tönen zu verschiedenen, Jugendliche bewegenden Themen unterlegt und mit Fotos von für typisch gehaltenen Jugendzimmern unterfüttert. Darüber hinaus verdichtet die Studie allgemeine Tendenzen unter den untersuchten Teenagern zu Aussagen wie: »Die 14- bis 17-Jährigen sind besorgter denn je« oder »Die Teenager haben ihren Optimismus und ihre Alltagszufriedenheit dennoch nicht verloren.« Zur Erläuterung heißt es dann: »Wie die aktuelle Studie zeigt, ist der für die junge Generation typische Optimismus noch nicht verloren gegangen. Viele bewahren sich eine (zweck-)optimistische Grundhaltung und schauen für sich persönlich positiv in die Zukunft. Viele der befragten Jugendlichen haben ›Copingstrategien‹ entwickelt und wirken insgesamt resilient.« Und weiter: »Fast niemand ist unzufrieden mit dem eigenen Alltag – aber nur wenige sind enthusiastisch. Eine Rolle spielt dabei, dass die Befragten ›seit sie denken können‹ mit vielfältigen Krisen leben.«
Wo erhältlich? Die Studie ist im Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung als Buch oder zum kostenfreien Download als ePub verfügbar: https://www.bpb.de/11133
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Hier wird dick aufgetragen. Autor (u.a.) und Selbstvermarkter der Studie ist Simon Schnetzer. Laut eigenem Bekunden: »Führender Jugendforscher in Europa, Keynote-Speaker und Futurist«. Geht‘s noch: In ganz Europa? Die unbescheidene Auskunft findet sich auf der Website des Autors. Insgeheim hält er sich wohl doch noch für ein recht kleines Lichtlein, denn als Co-Autor wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann, immerhin durch viele wissenschaftlichen Publikationen bekannt sowie mediengewandt und keinem Marketing abgeneigt, mit ins Boot geholt. Die Studie sei repräsentativ »für Einstellungen, Trends und Perspektiven der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland«. Und um die sogenannte Generation Z gleich richtig in den Griff zu bekommen, böte »diese renommierte Jugendstudie« auch »die Grundlage, um zu verstehen, wie junge Menschen entsprechend ihrer Lebenssituation ticken und wie sie für die Übernahme von Verantwortung begeistert werden können – in Bildung, Beruf und Gesellschaft«. Um Kurzlektüreleser nicht zu verschrecken, liefere das Buch eine »ansprechende und intuitive Aufbereitung mit 41 Infografiken und vielen O-Tönen«. Bedeutende Rezensionen der Trendstudie scheinen nicht vorzuliegen. Auf der Website des Autors werden stattdessen nur O-Töne von (zwei) begeisterten Lesern gepostet. So schreibt etwa A. K. »vor einem Monat« (und dies seit geraumer Zeit): »Die Jugendstudien geben wichtige Denkanstöße … Das kann für Impulse in nahezu allen Branchen führen, um besser auf die Bedürfnisse junger Menschen einzugehen.«
Die Nichtempfehlung findet sich unter: https://simon-schnetzer.com
Buchpreis: 69 €