Von Pia Wilke, Hamburger Sportjugend im HSB
Die Sportvereine in Hamburg leisten jeden Tag einen wichtigen Beitrag für Kinder und Jugendliche. Sie schaffen nicht nur Bewegungsangebote und fördern die Gesundheit. Vielmehr sind sie auch wichtige Orte informeller Bildung und sozialer Teilhabe. Kinder und Jugendliche lernen dort Teamfähigkeit, Verantwortung, Rücksichtnahme und demokratisches Miteinander. Sie erleben Gemeinschaft unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder schulischen Leistungen. Gerade in einer Zeit, in der Bewegungsmangel, psychische Belastungen und soziale Unsicherheiten bei jungen Menschen zunehmen, gewinnen Sportvereine an Bedeutung.
Damit sie ihre Angebote durchführen können, brauchen Vereine vor allem eines: verlässliche Räume. Für den Kinder- und Jugendsport sind das insbesondere Sporthallen, die häufig an Schulstandorten zu finden sind.

Grundsätzlich offen. In Hamburg hat sich die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sportvereinen im Zuge des Ganztags seit 2013 in vielen Bereichen grundsätzlich gut entwickelt. Kooperationen sind gewachsen, Strukturen wurden angepasst und vielerorts gelingt ein konstruktives Miteinander. Dennoch bleibt ein Problem seit Jahren bestehen: die Nutzung von Sporthallen ab 16.00 Uhr. Gerade für den organisierten Kinder- und Jugendsport führt die aktuelle Praxis regelmäßig zu erheblichem organisatorischem Aufwand, Unsicherheiten und Verzögerungen.
Hintergrund ist die Struktur der sogenannten selbstverantworteten Schule. Sobald Hallenzeiten ab 16.00 Uhr betroffen sind, liegt die Verantwortung und die Entscheidung für die Freigabe der Hallenzeiten bei der jeweiligen Schulleitung. Manche Schulen arbeiten eng und lösungsorientiert mit den Vereinen zusammen, andere reagieren zurückhaltender oder benötigen lange Entscheidungswege. Dadurch entstehen Hamburg weit sehr unterschiedliche Voraussetzungen für Vereine – obwohl der Bedarf an Bewegungsangeboten für Kinder und Jugendliche überall vorhanden bzw. die Nachfrage insbesondere in den letzten vier Jahren sogar gestiegen ist.

Praktisch oft kompliziert. Vereine können diese Zeiten für Schulsporthallen also nicht direkt über ein zentrales Verfahren beantragen oder buchen. Stattdessen müssen sie zunächst eigenständig Kontakt zur Schule aufnehmen und um Zustimmung bitten. Erst wenn die Schule schriftlich bestätigt, dass die Hallenzeiten genutzt werden dürfen, kann sich der Verein an das zuständige Bezirksamt wenden. Dort wird anschließend ein Überlassungs- und Nutzungsvertrag erstellt.
In der Praxis ist dies häufig zeitintensiv und kompliziert. Viele Sportvereine in Hamburg werden überwiegend ehrenamtlich organisiert. Die Personen, die sich um Trainingsbetrieb, Mitgliederverwaltung, Wettkämpfe und Jugendarbeit kümmern, übernehmen zusätzlich die gesamte Kommunikation mit Schulen und Behörden.
Hinzu kommt eine fehlende Planungssicherheit. Trainingszeiten können teilweise erst sehr spät verbindlich zugesagt werden. Angebote müssen verschoben oder eingeschränkt werden, weil Verträge noch nicht vorliegen oder Abstimmungen ausstehen. Besonders problematisch ist dies zu Beginn neuer Schuljahre oder Sportsaisons. Gerade dann möchten Vereine neue Kinder aufnehmen, Gruppen planen oder zusätzliche Angebote schaffen. Stattdessen verbringen viele Ehrenamtliche Wochen oder sogar Monate damit, Freigaben einzuholen und Verwaltungsprozesse zu begleiten. Wenn zusätzlich langwierige Abstimmungsprozesse mit unterschiedlichen Stellen notwendig werden, führt das nicht selten zu Frustration und Überlastung.

Lösungen gesucht. Die derzeitigen Verfahren passen nicht zu den Realitäten der Kinder- und Jugendsportstrukturen. Es braucht niedrigschwellige, transparente und verlässliche Verfahren. Kinder- und Jugendsport sollte nicht davon abhängen, wie viel Verwaltungsarbeit Ehrenamtliche zusätzlich leisten können. Vielmehr sollte das Ziel sein, Vereine bei ihrer Arbeit zu unterstützen und bürokratische Hürden möglichst gering zu halten.
Denkbar wären hierfür beispielsweise standardisierte oder langfristigere Freigabeverfahren, klar definierte Zuständigkeiten oder zentrale digitale Prozesse zwischen Schulen, Bezirksämtern und Vereinen. Auch eine stärkere Grundsatzregelung für die Nutzung von Hallenzeiten ab 16.00 Uhr könnte dazu beitragen, wiederkehrende Einzelabstimmungen zu reduzieren. Damit ließe sich nicht nur Verwaltungsaufwand verringern, sondern auch die Planungssicherheit für alle Beteiligten verbessern.
Denn letztlich verfolgen Schulen und Sportvereine ein gemeinsames Ziel: Kindern und Jugendlichen gute Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen. Sport und Bewegung sind dafür unverzichtbar. Damit diese Angebote verlässlich stattfinden können, braucht es jedoch nicht nur engagierte Vereine, sondern auch passende strukturelle Rahmenbedingungen.
Räume für Jugendverbandsarbeit sind weit mehr als nur verfügbare Quadratmeter. Damit Kinder- und Jugendsport auch künftig verlässlich stattfinden kann, braucht es Verfahren, die ehrenamtliches Engagement unterstützen – und nicht zusätzlich erschweren.