Heft 3+4-2017 , Rubrik Nachrichten

Ja zur bundesweiten Weiterentwicklung der Juleica

Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings votiert einstimmig für eine umfassende Reform der Jugendleiter/innen-Card

Seit 1999 gibt es bundesweit die Juleica. Jedes Jahr beantragen bundesweit über 30.000 mehrheitlich junge Menschen diese bunte Karte, die für Ausbildung und Qualität in der Jugendverbandsarbeit steht. Eine Erfolgsgeschichte. 2009 wurde zudem die Online-Beantragung der Karte eingeführt. Doch seitdem gab es keine wesentliche Weiterentwicklung – sowohl inhaltlich als auch technisch.

Die Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings hat im Oktober 2017 nun die Weichen für eine umfassende Weiterentwicklung gestellt. Wir zitieren aus dem einstimmigen Beschluss im Wortlaut:

»Weiterentwicklung in 3 Dimensionen
Mit dem Projekt ›Weiterentwicklung Juleica‹ haben die Bundesverbände, die Landesjugendringe und die Jugendministerien der Länder gemeinsam Verantwortung gezeigt und 2009 auch die Rahmenbedingungen durch Maßnahmen zu Verbesserung von Qualität, Transparenz und Bekanntheitsgrad weiterentwickelt. Dazu gehörten die Vereinbarung aktueller bundesweiter Mindeststandards für die Ausbildung, ein sichereres, schnelleres und transparentes (Online-)Antragsverfahren für die Beantragung und nicht zuletzt die Einrichtung landeszentraler Ansprechstellen für die Juleica, entweder bei den Jugendministerien, den Landesjugendämtern oder im Sinne der partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei den Landesjugendringen in allen 16 Bundesländern.
Seitdem ist die Zeit nicht stehen geblieben: Als Teil der Jugendarbeit ist eine stetige Weiterentwicklung der Juleica unerlässlich und gelebte Praxis. Alle Träger haben in den zurückliegenden Jahren ihre Juleica-Ausbildungen weiterentwickelt und an aktuelle Bedarfe, die sich wandelnden Lebenslagen junger Menschen und veränderte gesellschaftliche Anforderungen angepasst. In vielen Bundesländern gibt es regelmäßig trägerübergreifende Fachtage, Publikationen für Jugendleiter/innen und deren Ausbilder/innen und weitere Instrumente zur Qualitätsentwicklung. Die Bundesländer nehmen ihre entsprechende Verantwortung wahr und fördern und unterstützen diese Prozesse.

Auch auf Bundesebene ist dieser Bedarf vorhanden. Eine bundesweite Diskussion über die fachlichen Standards der Juleica-Ausbildung und ein trägerübergreifender Austausch wurden spätestens mit einem Juleica-Fachtag des DBJR am 20. Juni 2017 begonnen. Er hat gezeigt, wie wichtig ein bundesweiter Austausch ist, um die Qualität der Juleica als einzigartige, bundesweit anerkannte Qualifikation für Ehrenamtliche zu sichern, und welche Weiterentwicklungsbedarfe der bundeseinheitlichen Elemente es gibt.

Fast 20 Jahre nach Einführung der Juleica und 10 Jahre nach Einführung des Online-Verfahrens bedarf es eines neuen Schrittes, um durch Weiterentwicklung der bundesweiten Rahmenbedingungen den Stellenwert der Juleica zu sichern und weiter zu befördern. Folgende Schritte sind hierfür notwendig:

Bundesweite Qualitätsstandards überprüfen und aktualisieren
Der Kern der bundesweiten Qualitätsstandards als Vereinbarung der 16 Obersten Landesjugendbehörden war ein entscheidender Schritt in der Qualitätssicherung. Nun, fast zehn Jahre später, bedarf er einer Anpassung an die gemachten Erfahrungen, die vorhandene Praxis und veränderte gesellschaftliche Anforderungen. Dazu sind die entsprechende Offenheit aller Beteiligten und die Ressourcen für die Organisation und Moderation des Prozesses notwendig.

Antragsverfahren weiterentwickeln
Das Antragsverfahren ist technisch auf dem Stand von 2009 – in der Informationsgesellschaft ist das eine halbe Ewigkeit. Gerade für die junge Zielgruppe, die die Juleica beantragt, ist es wichtig, dass die Beantragung der Juleica technisch einfach ist, attraktiv und dass sie dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Das aktuelle Online-Verfahren erfüllt diese Anforderungen nicht. Die Erneuerung der Software im notwendigen Umfang ist aus den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht realisierbar.

Beratung von Antragstellenden und Trägern sicherstellen
Eine ausreichende Beratung von Antragstellenden und Trägern und die Ermöglichung des fachlichen Austausches machen nicht an Bundesländergrenzen halt. Die Praxis der letzten fast zehn Jahre hat gezeigt, dass der Bedarf an Beratung zu technischen und inhaltlichen Fragen sich auf Landesebene alleine nicht befriedigen lässt. Eine entsprechende Beratung auch auf Bundeseben muss – analog zur Praxis in den Bundesländern – für die Zukunft sichergestellt werden.

Zukunft der Juleica sicherstellen – Forderungen:
Für die Jugendverbände und -ringe muss die Juleica als Teil der Qualitätssicherung von Jugendarbeit und der Förderung ehrenamtlichen Engagements Teil der Jugendpolitik des Bundes sein. Um die Juleica zu ihrem 20-jährigen Jubiläum 2019 zukunftssicher und weiterhin erfolgreich zu machen, fordert die 90. Vollversammlung des Deutschen Bundesjugendrings daher
• das Bundesjugendministerium auf, sich zu seiner Verantwortung für die Juleica zu bekennen. Eine dauerhafte Absicherung der Juleica-Koordinierungsstelle, angesiedelt beim Deutschen Bundesjugendring, ist sicherzustellen.
• das Bundesjugendministerium auf, eine technische Neuaufstellung des Antragsverfahrens zu ermöglichen, um dieses wieder zeitgemäß, einfach und attraktiv zu machen, indem es dafür 2018 zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellt.
• die Bundesländer auf, sich an der Weiterentwicklung des Online-Antragsverfahrens ebenfalls zu beteiligen und in einen gemeinsamen Diskurs über die gegenseitige Anpassung der Antragswege einzutreten.

Der Vorstand des Bundesjugendrings wird gebeten, ein Konzept zu entwickeln, wie eine Beteiligung der Bundesverbände, der Landesjugendringe und der Bundesländer sowie ggf. weiterer Partner an der inhaltlichen und an der technischen Weiterentwicklung erfolgen kann. Zudem sollte geprüft werden, welche inhaltlichen Verbindungslinien und Schnittstellen es zu europäischen und internationalen Qualifizierungs-Instrumenten in der Jugendarbeit (bsp. Youthpass, Bafa-Juleica) gibt und wie man diese ggf. bei der Juleica-Ausbildung berücksichtigen kann.«

Quelle: www.dbjr.de/fileadmin/user_upload/pdf-dateien/vv2017/DBJR-Beschluss-juleica.pdf