Heft 3+4-2017 , Rubrik Vielfalt. Jugendarbeit

Mit sportlichen Grüßen. Ferien am »U« der Ostsee

Zu Besuch in der Ferienanlage der Hamburger Sportjugend

Von Oliver Trier, Hamburg

jwd – janz weit draußen, nämlich im Norden Schleswig-Holsteins betreibt die Hamburger Sportjugend eine Ferienanlage. Idyllisch an der Ostsee gelegen, lädt die Anlage dazu ein, den Alltagsstress zu vergessen, Sport zu treiben oder am Handyempfang zu verzweifeln.

»Moin, moin und herzlich willkommen!« Im feinsten norddeutschen Singsang pflegt Hausleiter Peter Kühlcke seine Gäste zu begrüßen. Auf die nächsten Gäste müssen er und seine 14 Mitarbeiter/innen sich allerdings noch ein wenig gedulden. Denn die Ferienanlage Schönhagen der Hamburger Sportjugend stellt von Oktober bis März auf den Winterbetrieb um. Die eine oder andere Gästegruppe wird auch in der Zwischenzeit kommen. Doch die Witterungsbedingungen zwischen Kappeln und Eckernförde steigern weder im Herbst noch im Winter die Lust auf Sport und Spiel im Freien. So kann sich die eigentliche Zielgruppe der Anlage, die Kinder und Jugendlichen aus Hamburger Sportvereinen, stattdessen voll auf ihre Saison konzentrieren, bis Schönhagen im Frühjahr wieder den Sommer ausruft. Ein Jammer, denn die Anlage der Sportjugend hat viel zu bieten: ein 3,5 Hektar großes Gelände mit vielen Spiel- und Sportmöglichkeiten, 270 Betten und nur fünf Minuten Fußweg zum weißen Ostseestrand.

»Sport und Erholung stehen für uns an erster Stelle«, erklärt Daniel Knoblich, Geschäftsführer der Hamburger Sportjugend, während er mit seinem Hausleiter zu den Sportplätzen im Gelände führt. Das große Rasenfeld mit verschiedenen Toren ermöglicht u.a. Fußball, Handball, Hockey oder American Football. Auf dem offiziellen DFB-Mini-Feld ist Fußball Programm, während sich der Beachvolleyballplatz auch problemlos für Strandfußball oder Beachhandball eignet. Im Schatten der angrenzenden Bäume jagt man an den Streetballkörben nach Punkten.

»Fußball ist mit weitem Abstand die meistgefragte Sportart in Schönhagen«, bestätigt Andrea Steube eine schnell aufkommende Vermutung. Von Hamburg aus kümmert sie sich um die Belegung und die Öffentlichkeitsarbeit der Anlage. »Wir wollen uns stärker für weitere Sportarten öffnen: Budo und Tanzen beispielsweise. Unsere Kleinfeldhalle und der Gymnastikraum mit Spiegelwand sind dafür wie geschaffen.« Neben den Hamburger Sportvereinen kommen auch andere Gruppen nach Schönhagen. »Für Schulklassen und Kitas ist die Anlage natürlich wie gemalt«, freut sich Hausleiter Kühlcke und verweist auf die weiteren Möglichkeiten vor Ort: Feuerstelle, Grillplatz, Spielplatz mit Klettergerüst, Außenschachfeld und Tischtennistische. »Die kleineren Gäste klettern am liebsten in unseren Kiefern mitten auf dem Gelände.« Ein Privileg, auf das die jüngeren Gäste in früheren Jahren verzichten mussten. Anfassen und Klettern auf den Bäumen war unter Kühlckes Vorgängern streng verboten.
60 Jahre wird die Ferienanlage im kommenden Jahr »alt«. Doch im Laufe der Zeit haben sich nicht nur die Regeln geändert. 1958 kaufte der Hamburger Sportbund das Gelände, um Kindern und Jugendlichen aus Hamburg Ferien an der Ostsee zu ermöglichen. In den ersten Jahren wurde noch klassisch gezeltet. In den 60er Jahren ersetzte ein Halbkreis aus Holzhütten die Zelte. Ende der 70er Jahre wurden feste Steinhäuser gebaut und das sogenannte »U« entstand: Die zehn Bungalows wurden nach und nach miteinander verbunden, so dass sich der Halbkreis von oben betrachtet zu einem Hufeisen oder schlicht einem »U« entwickelte. Dieses »U« ist das Herz der Anlage und beherbergt Unterkünfte, Sanitäranlagen und zwei der vielen Gruppenräume für die Gäste. Jeder Bungalow hält ein Sechs-Bett-, zwei Acht-Bett-Zimmer und ein Zimmer für die Betreuenden bereit.
Neben den Unterkünften verfügt Schönhagen über zehn Tagesräume. »Es ist uns wichtig, dass jeder Gruppe ein Gruppenraum zur Verfügung steht, in dem man sich unabhängig von anderen Treffpunkten und Räumen wettergeschützt treffen kann«, erklärt Daniel Knoblich die große Zahl. »Gleichzeitig sind die Tagesräume besonders attraktiv für unsere dritte Besuchergruppe: die ›Sonstigen‹«, ergänzt Andrea Steube. Denn neben Sportvereinen, Schulklassen und Kitas beleben inzwischen auch andere Gruppen die Anlage – Konfirmandengruppen und Pfadfinder beispielsweise. »So kommen wir im Durchschnitt auf 30.000 Übernachtungen im Jahr«, unterstreicht Knoblich. Angesichts dieser Übernachtungszahlen kommt es der Sportjugend vor allem auf ein gutes Miteinander im Alltag der Ferienanlage an. Zehn Gruppen können gleichzeitig vor Ort sein und im Idealfall tauschen sie sich nicht nur über die praktische Frage aus, wann die Kleinfeldsporthalle von wem benutzt wird. Deswegen bemühen sich Hausleiter Kühlcke und sein Team, die unterschiedlichen Gästegruppen zwanglos zusammenzubringen. Am naheliegendsten ist es, die unterschiedlichen Gruppen je nach Alter und Sportart gegeneinander spielen zu lassen. Dafür erhalten die Gäste schon vor der Anreise eine Liste über jene Gruppen, die zum gleichen Zeitraum in Schönhagen unterkommen. Bietet sich mal kein anderes Team an, werden einfach Spiele gegen örtliche Fußballvereine arrangiert.

Lieblingsorte. Im Gros sind die meisten Gäste von Schönhagen zwischen 4 und 16 Jahren. Bei den jüngeren Gästen der Ferienanlage überwiegt neben den Sportmöglichkeiten vor allem die Freude über die Kieferkletterbäume und den Spielplatz. Für ältere Gruppen liegt der Fokus oft stärker auf Fortbildungen und Seminaren. Wer dann in den Pausen nicht die Sportfelder zur Zerstreuung nutzt, entspannt am liebsten in einem der vielen rotweißen Strandkörbe: Eine für die Ostsee typische Möglichkeit, Sonne auch dann zu genießen, wenn das norddeutsche Klima nur bedingt zum Sonnenbad ermuntert. »Bei den Älteren genauso beliebt ist unsere Streuobstwiese«, verrät Peter Kühlcke und bückt sich nach einem Apfel. »Auf den Bänken lässt sich hier die Abendsonne am besten genießen. In der richtigen Jahreszeit auch mit selbstgepflückten Obst.« Nicht unbedingt der beliebteste, aber der wichtigste Ort dürfte in den Augen von Jung und Alt allerdings eine andere Bank auf dem Gelände sein. »Hier drängt sich alles, denn nur hier gibt es Handyempfang – wenn man das richtige Netz hat.« Im Sommer dagegen sticht der Strand alles andere aus. »Da will natürlich jeder hin«, schmunzelt Geschäftsführer Knoblich. Praktischerweise führen gleich zwei Straßen von Schönhagen, einem Ortsteil der 360-Einwohner-Gemeinde Brodersby, zum Strand. Das Ziel ist kaum zu verfehlen.

jwd. »An der Lage des Hauses scheiden sich die Geister«, meint Andrea Steube und betont lieber die 160 Kilometer Entfernung als die potentiellen zweieinhalb Stunden, die man für die Anreise von Hamburg aus planen sollte. »Die meisten Gruppen entscheiden sich für eine Anreise mit dem Bus. Viele kommen aber auch mit der Bahn und lassen sich am Bahnhof von einem Bus abholen.« Wen die Entfernung nicht abschrecke, dem habe nicht nur die Anlage auf der Halbinsel Schwansen sondern auch die Umgebung vieles zu bieten. Schließlich liegt das Ostseebad Schönhagen mitten in einer Urlaubsregion und hält das damit verbundene Angebot für Urlauber bereit. Bei der Strandentdeckungsreise erleben Stadtkinder in Eigenregie und mit Keschern bewaffnet das jüngste Meer der Erde auf ganz neue Art und Weise. Möglich sind auch Radtouren mit der ganzen Gruppe, paddeln und Floß bauen auf der Schlei oder ein Besuch im Hochseilgarten. Wie auch immer man den eigenen Aufenthalt in Schönhagen gestalte, kaum jemand könne sich dagegen wehren, zur Ruhe zu kommen, versichert das Team der Sportjugend. Von ganz allein scheine die idyllische Lage für einen eigenen, entschleunigten Rhythmus zu sorgen. Am deutlichsten zeige sich dieser Rhythmus den Hamburger Kollegen der Sportjugend, wenn sie einmal mehr mit Fragen in Schönhagen anrufen und auf schnelle Antworten hoffen. »Da prallen dann ab und zu Welten aufeinander«, stimmt Peter Kühlcke verschmitzt seinen beiden Hamburger Kollegen zu. Die ländliche Umgebung und der überschaubare Ort erlauben es auch, den Kindern und Jugendlichen mehr Freiräume zu lassen, als es in einer urbaneren Umgebung der Fall ist. Für den einen oder die andere könne diese Freiheit aber auch zur Herausforderung werden, weiß Andrea Steube zu berichten: »Viele stehen erstmal da und können kaum aus ihrem Großstadttakt aussteigen und murren: ›Ich soll jetzt mal nur auf’s Meer schauen? Wie geht das denn jetzt?‹« Doch das seien in der Regel nur Anlaufschwierigkeiten.

Der eigene Anspruch. Für Gäste ist die Entspannung sicherlich ein Segen. Doch wenn 270 Personen zu versorgen sind, erscheint eine entspannte Herangehensweise vielleicht nicht jedem als optimale Voraussetzung. Doch gerade die Gelassenheit kann das Geheimnis von Schönhagen sein. »Alle Gäste sollen das Gefühl haben, dass wir sie sehen, ihre Anliegen wichtig nehmen, jederzeit ansprechbar sind und uns freuen, ihnen einen schönen Aufenthalt zu gestalten«, meint Peter Kühlcke. Da müsse man sich auch mal Zeit nehmen, fügt er hinzu. So sei im großen Speisesaal Platz für 160 Personen, weswegen das Mittagsessen in zwei Schichten gegessen werde. Aber selbst bei voller Belegung nähmen in keiner Schicht mehr als 135 Gäste teil, um so für mehr Raum und Ruhe im modernen Speisesaal zu sorgen.

Träume für die Zukunft. An einer Ferienanlage wie Schönhagen bleibt immer was zu tun. Einen Wunsch hofft sich die Sportjugend aber bis Ostern kommenden Jahres zu erfüllen: WLAN. Ohne Glasfaserkabel war es bislang nur bedingt möglich, die Anlage mit Internet zu versorgen. »Wir planen für nächstes Frühjahr eine weitreichende Abdeckung der Anlage mit WLAN, um vor allem in den Gruppen- bzw. Seminarräumen einen schnellen Internetzugang zu ermöglichen«, erzählt Knoblich. Deutlich weiter in der Zukunft liegt dagegen die Planung für den Bau einer Dreifeldhalle: Trockenen Fußes vom »U« in eine Halle zu gehen, dies beschreibt der Geschäftsführer als »fernen Wunsch und große Vision«. Wichtiger sei es, dafür zu sorgen, dass Schönhagen auch langfristig die Ansprüche und Bedürfnisse der Gäste erfüllt. Die eher ruhigen Tage zum Jahreswechsel erlauben es praktischerweise, entspannt zu überlegen, welche Maßnahmen als nächstes dran sind.

(Alle Fotos © Hamburger Sportjugend)


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Die Hamburger Sportjugend ist die eigenständige Kinder- und Jugendorganisation des Hamburger Sportbundes e.V. (HSB). Als Dachverband der Jugendabteilungen in den Sportvereinen Hamburgs vertritt die Sportjugend die Interessen von über 173.000 jungen Menschen und ist damit der größte Jugendverband in Hamburg.

Zu Ihren Handlungsfeldern gehören
• die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der sportlichen Jugendarbeit,
• die Förderung von Vereinen und Verbänden,
• die pädagogische Begleitung der Freiwilligendienste im Sport (FSJ & BFD),
• die Beratung und Betreuung von Sportvereinen bei Kooperationen mit Schulen,
• die Beratung und Qualifizierung zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt im Sport (PSG),
• sowie die Förderung des jungen Engagements im Sport
• und natürlich der Betrieb der Ferienanlage Schönhagen.

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Info:

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