Heft 3+4-2017 , Rubrik Titelthema

Jugenddelegierte bei der UN-Generalversammlung

Programm der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit

Von Mio Kuschick, UN-Jugenddelegierter

Jedes Jahr begleiten zwei junge Menschen aus Deutschland die Verhandlungen der Generalversammlung der Vereinten Nationen, halten selbst eine Rede und organisieren ein Side-Event. So bringen sie die Belange und Interessen der in Deutschland lebenden Jugendlichen direkt nach New York und geben ihnen eine Stimme in der Weltpolitik.

In diesem Jahr haben dieses Ehrenamt Anaick Geißel und ich, Mio Kuschick, inne. Wir sind beide 23 Jahre alt, studieren etwas mit Pädagogik und sind im Süden Deutschlands aufgewachsen. Anaick macht Politik bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, und organisiert Simulationen der Vereinten Nationen für Schüler/innen, während ich seit vielen Jahren bei den Pfadfinder/innen und im Bereich des Schüleraustauschs aktiv bin – und dort das Interesse an Internationalität und multilateraler Zusammenarbeit gewonnen habe.

Damit wir erfahren, was junge Menschen in Deutschland gerade umtreibt, haben wir von Mai bis September eine Deutschlandtour mit rund 20 Stationen durchgeführt. In Schulen, bei Jugendverbänden und auf vielen Workshops sind wir mit Jugendlichen in Kontakt getreten, haben deren Forderungen gesammelt und diese mit zur 72. UN-Generalversammlung genommen. Nach unserem Aufenthalt in New York sind wir von November bis Januar nochmals unterwegs, berichten von unserer Arbeit, den Erfahrungen bei der UN und sammeln weitere Forderungen. Diese werden wir dann bei der UN-Sozialentwicklungskommission im Februar 2018 einbringen. Wenn Eure Jugendgruppe in diesen Prozess noch eigene Themen mit einbringen möchte, dann meldet Euch! Wir kommen gern zu einem Workshop vorbei (> mehr dazu).

Debatten in New York. Bei dem dreiwöchigen Aufenthalt bei der Generalversammlung im Oktober 2017 nahmen wir als UN-Jugenddelegierte aus Deutschland vorrangig an den Sitzungen des 3. Haupausschusses teil, welcher sich mit sozialen, humanitären und kulturellen Fragen beschäftigte. Dort hielten wir eine Rede, in der wir die Wichtigkeit von multilateraler Zusammenarbeit hervorhoben und Abrüstung sowie den Schutz der Rechte von LGBTI*-Menschen einforderten. Gemeinsam mit den Jugenddelegierten Bulgariens, Tschechiens und Belgiens organisierten wir zudem ein Side-Event zum Thema »Wie non-formelle Bildung die Beschäftigungsfähigkeit (employability) fördert«.
Da wir einen Status als regulärer Teil der deutschen UN-Delegation innehielten, konnten wir uns nicht nur alles vor Ort anschauen, sondern auch innerhalb der Delegation eigene Themen vorbringen. Diese fanden teilweise Beachtung in den Verhandlungen zur Jugendresolution der UN. Wichtig war für uns, dass wir unabhängig von den Positionen der Bundesregierung agieren konnten. So verfolgten wir mit einem kritischen Blick, wie sich die deutsche Delegation auf der Generalversammlung bei einigen Themen positionierte.

Hospitationen und mehr. Ein weiterer Teil unseres Mandats umfasste die Hospitation im Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend sowie beim Auswärtigen Amt. Dabei konnten wir einen Einblick in die Tätigkeiten der Bundesregierung gewinnen und erfahren, welche Ziele diese insbesondere in den Feldern Jugend und Vereinte Nationen verfolgt. Zudem besuchten wir in diesem Herbst die UN-Weltklimakonferenz in Bonn und sind bei einem Koordinierungstreffen mit anderen europäischen Jugenddelegierten in Brüssel zusammengetroffen.

Im Rahmen der benannten Deutschlandtour sprechen wir mit vielen jungen Menschen über die Arbeit der Vereinten Nationen, die Ziele für Nachhaltige Entwicklung und was jede/r selbst dafür tun kann. Dabei verwenden wir u.a. Materialien aus der Reihe »The World’s largest lesson«, die in Kooperation von UNICEF und UNESCO entstanden. Diese Medien bieten zu jedem UN-Ziel gute Hintergrundinformationen, ideal für die Arbeit und Diskussion in Jugendgruppen. Ein cooles Video aus dieser Reihe mit der Schauspielerin Emma Watson findet ihr unter: www.youtube.com/watch?v=-cEUhHTlcDU

Neugierig geworden? Unsere Amtszeit endet im Frühjahr 2018. Bereits jetzt läuft die Bewerbungsphase für unsere Nachfolger (> mehr dazu). Und keine Bange vor dem, was da auf Euch zukommt. Wir schmeißen die Brocken nicht gleich hin, sondern helfen unseren Nachfolgern bei der Einarbeitung in einer Übergangsphase. Wir geben unsere Erfahrungen weiter – und sind sicher: UN-Jugenddelegierte/r zu sein, ist eine spannende und lohnende Herausforderung!