Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 3+4-2017, Rubrik Titelthema

Kann das alles gelingen (was gelingen müsste)?

Die Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030

Die Versprechen der 193 Nationen auf der 70. Generalversammlung der Vereinten Nationen sind höchst ambitioniert: »Wir sind entschlossen, die Menschheit von der Tyrannei der Armut und der Not zu befreien und unseren Planeten zu heilen und zu schützen. Wir sind entschlossen, die kühnen und transformativen Schritte zu unternehmen, die dringend notwendig sind, um die Welt auf den Pfad der Nachhaltigkeit und der Widerstandsfähigkeit zu bringen. Wir versprechen, auf dieser gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen.« (s. Präambel der Agenda 2030)

Bemerkenswerte Ziele – doch auf welchen Beinen steht diese Agenda? Die Nationen, zumal die sie repräsentierenden Regierenden (die dieses große Wir der Vereinten Nationen bilden) wissen, dass die UN als Organisation keine Sanktionsgewalt gegenüber ihren Mitgliedern innehält. Das ist der Makel aller UN-Resolutionen. Wer also aus dem Programm der Agenda 2030 ausschert, braucht sich um unmittelbare politische Konsequenzen nicht zu sorgen. Zudem lassen die Lage vieler Nationen, sei es durch Bürgerkrieg, Terror oder Staatszerfall, und der mangelnde realpolitische Wille »reicher« Länder zum radikalen Umsteuern die Sorge wachsen, dass der Agenda 2030 mehr wird als zuletzt bei den hochgesteckten Millenniumszielen der UN. Sie waren krachend gescheitert und wurden von den nun sogenannten Sustainable Development Goals abgelöst.

Gleichwohl – und allen Widersprüchen zum Trotz: Die Ziele der UN-Agenda 2030 benennen das Minimum dessen, was gemacht werden müsste, um zumindest das gröbste Unheil aus der Welt zu schaffen. Was jedoch die Autoren der Agenda mit »Wir sind entschieden« oder »Wir versprechen« beschwören, ist eine Leerstelle. Dieses Wir gibt es nicht. Das Subjekt dieser notwendigen Transformation der bestehenden Welt in eine bessere ist erst noch zu finden. Und zwar durch eine Kritik an jenen Verhältnissen, welche die Menschen dazu verhalten, ökologisch kurzsichtig und wirtschaftlich auf Profitmaximierung reduziert zu agieren. (jg)