Heft 4-2013 , Rubrik Vielfalt. Jugendarbeit

»Gemeinsam sind wir stark!«

Serie WirkungsStätten: Die DIDF-Jugend Hamburg

Von Isabella David, Hamburg

Gegen Rassismus und Diskriminierung, für Beteiligung und eine echte Perspektive – mit vollem Einsatz trägt die DIDF-Jugend Hamburg diese Forderungen auf die Straße und wird damit vor allem zum Sprachrohr Jugendlicher mit Migrationshintergrund.

Ob Solidarität mit den Demonstrierenden in der Türkei, Proteste gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, gegen verdachtsunabhängige Polizeikontrollen Jugendlicher in Altona oder für ein Bleiberecht der Flüchtlinge der Gruppe »Lampedusa in Hamburg« – die DIDF-Jugend Hamburg war dabei, organisierte, informierte und erhob ihre Stimme. Die großen Forderungen des Jugendverbands – wie Frieden, kostenlose Bildung, Partizipation der Jugendlichen, sichere Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse – erhalten bei der DIDF-Jugend Hamburg ein Gesicht.

Vielfalt leben. »In der DIDF-Jugend kommen vor allem türkischstämmige Jugendliche und Kinder mit unterschiedlichen kulturellen, ethnischen und religiösen Hintergründen zusammen«, erläutert Ali Candemir, Vorsitzender des Bundesverbands der DIDF-Jugend. Doch der Jugendverband will nicht nur die Interessen von kurdischen, türkischen, armenischen, arabischen, alevitischen oder sunnitischen Jugendlichen und Kindern vertreten. »Wir sind davon überzeugt, dass Interessen und Herausforderungen von Jugendlichen unabhängig von ihrer Religion, Nationalität oder Geschlecht sind«, so Candemir weiter. Die DIDF-Jugend will allen Jugendlichen – mit und ohne Migrationshintergrund – die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am politischen Prozess ermöglichen. Dabei gilt klar die Maßgabe: zusammen statt gegeneinander. »Es ist unser Ziel, eine Interessenvertretung für diese jungen Menschen in etablierten Strukturen, wie den Stadtteilen, Schulen, Universitäten und Gewerkschaften zu schaffen«, erklärt Candemir. Die DIDF-Jugend Hamburg ist deshalb auch als Hochschulgruppe an der Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaft organisiert und damit auch unmittelbarer Anlaufpunkt für Studierende.
Taksim ist überall. Besonders bewegten die DIDF-Jugend die Demonstrationen in der Türkei rund um den Gezi-Park in Istanbul und die gewaltsam niedergeschlagenen Proteste auf dem Taksim-Platz. Immer wieder beteiligte sich auch die DIDF-Jugend Hamburg an den Solidaritätsdemonstrationen für die Demonstranten/innen und Opfer der Proteste sowie bei der geforderten Umbenennung des Park-Fiction am Hafen in »Gezi-Park-St. Pauli«. Auch Monate nach den Protesten beschäftigt sich die DIDF-Jugend Hamburg weiter intensiv mit den Geschehnissen in der Türkei. Auf einer Diskussionsveranstaltung mit jungen Menschen, welche die Demonstrationen in Istanbul selbst hautnah erlebt haben, eröffnet die DIDF-Jugend die Gelegenheit zum Austausch über die politische Situation in der Türkei. So besuchten im November Kayhan Geyik, Vorsitzender der EMEP-Jugend (Partei der Arbeit), und Ekinsu Devrim Danis, Studentin an der ODTÜ (Technische Universität des Nahen Osten), die DIDF-Jugend und berichteten in der Universität Hamburg von den Ereignissen rund um den Gezi-Park.
»Wir haben nicht erwartet, dass der Widerstand so stark sein wird«, berichtet Kayan Geyik. Sie seien davon ausgegangen, dass die Menschen Angst bekommen würden vor dem harten Durchgreifen der Polizei. »Doch je brutaler die Polizei vorging, desto entschiedener wurden auch die Proteste«, so Geyik weiter. Im Zuge der Demonstrationen seien die Menschen näher zusammengerückt und hätten einen bunten, differenzierten Widerstand gebildet. Doch keinesfalls sei der Widerstand am Gezi-Park spontan gewesen, so Ekinsu Devrim Danis. Zuvor habe es bereits Studentenproteste an den Universitäten gegeben, die ebenfalls gewaltsam niedergeschlagen worden seien. »Bei den Parks in Istanbul handelt es sich um die wenigen übriggebliebenen grünen Flächen, die allen zugänglich sind«, erläutert Ekinsu Devrim Danis. Der Gezi-Park stehe für den Gesamtprozess der Gentrifizierung in Istanbul und den damit einhergehenden Verlust an öffentlichem Raum, der für alle Menschen gleichermaßen und kostenlos zugänglich ist.

Auf die Straße. Auch das weitere Engagement der DIDF-Jugend ist politisch. Dabei spielen nicht nur die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in der Türkei – sondern vor allem auch die Geschehnisse vor Ort in Hamburg eine große Rolle. Die DIDF-Jugend gehört zum Dachverband der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (türk.: Demokratik Içi Dernekleri Federasyonu) und setzt sich seit 1996 für Frieden, freie und kostenlose Bildung, Völkerverständigung und lebenswerte Arbeitsbedingungen ein. Deshalb beteiligt sich die DIDF-Jugend Hamburg regelmäßig an den Demonstrationen zum Tag der Arbeit am 1. Mai, in diesem Jahr mit den Forderungen auf einen sicheren Ausbildungsplatz mit Übernahme, ein Verbot der Leiharbeit und eine sichere Perspektive für junge Arbeitnehmer/innen. Auch soziale Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema des Jugendverbands. So beteiligte sich die DIDF-Jugend Hamburg an den Demonstrationen gegen Wohnungsnot, Gentrifizierung und für ein Recht auf Stadt für alle. Ebenso setzt sich die DIDF-Jugend Hamburg für ein Bleiberecht der Flüchtlinge der Gruppe »Lampedusa in Hamburg« ein.
Eine besonders große Rolle übernahm die DIDF-Jugend Hamburg in diesem Jahr bei den Konflikten rund um verdachtsunabhängige Polizeikontrollen an der Holstenstraße und im August-Lütgens-Park in Altona. »Wir als DIDF-Jugend dulden die Kriminalisierung der Jugendlichen an der Holstenstraße und in anderen Hamburger Stadtteilen nicht«, sagt Ozan Albayrak aus dem Vorstand der DIDF-Jugend Hamburg. Insbesondere fordert die DIDF-Jugend deshalb nicht nur ein Ende der verdachtsunabhängigen Kontrollen, die vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund immer wieder erfahren müssen, sondern auch die Schaffung von Angeboten für diese jungen Menschen, wie beispielsweise ein neues Jugendzentrum.

Gemeinsam Perspektiven schaffen. In der DIDF-Jugend sind Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 27 Jahren engagiert. Das Spektrum der Jugendarbeit der DIDF-Jugend reicht von den jugendpolitischen Aktionen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops bis hin zur Organisation von großen Feriencamps – zuletzt fand im Sommer 2013 das große Sommercamp der DIDF-Jugend in Berlin Heiligensee statt. Mit der »Jungen Stimme« gibt die DIDF-Jugend außerdem seit 1999 eine eigene Jugendzeitschrift heraus. Um die Arbeit der Organisation auch auf lange Sicht auf die breiten Säulen der Jugendverbandsarbeit zu stellen, wurden im November erstmals zwölf Jugendleiter/innen in der DIDF-Jugend Hamburg ausgebildet. Ganz getreu dem Motto der DIDF-Jugend – »Gemeinsam sind wir stark« – werden sie auch in Zukunft Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie partizipieren können, gemeinsam mit ihnen die Stimme erheben gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung und für ihre Ziele und Forderungen eintreten – wenn nötig auch lautstark auf den Straßen Hamburgs.


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Kontakt: www.didf-jugend.de (Bundesverband) | didf-jugend-hh@live.de | www.facebook.com/DidfJugendHamburg (Hamburg)

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