Landesjugendring Hamburg e.V.
Heft 2-2026, Rubrik Titelthema

Mitumgezogen

Evangelische Jugend: Was passiert, wenn die kirchliche Erwachsenenorganisation ein neues Haus bezieht

Von Hannah Behringer, Evangelische Jugend Hamburg

Wenn man das neue Jugendbüro der Evangelischen Jugend Hamburg [EJH] betritt, wird schnell deutlich: Das ist mehr als ein klassischer Büroraum. Eine Flipchart steht in einer Ecke, gegenüber ein großes Regal – weniger geordnet als vielmehr im ständigen Gebrauch. Es ist gefüllt mit Spielen, Materialien, Ordnern und allem, was im Jugendverbandsalltag regelmäßig benutzt wird. Eine kleine Sitzecke lädt zum Verweilen ein. An der Wand kleben Figuren aus buntem Tape, mit denen sich ehrenamtliche junge Menschen und Projektteams hier verewigt haben.

Seit Januar ist die Geschäftsstelle der [EJH] in der Gaußstraße in Ottensen zu Hause. Ganz abgeschlossen ist der Prozess des Ankommens noch nicht, und er soll es vielleicht auch gar nicht sein. Denn die Nutzung verändert sich immer wieder mit den jungen Menschen, die das Jugendbüro aufsuchen. Längst ist daraus ein Ort geworden, der sich mit Gesprächen, Ideen und den Treffen der ehrenamtlichen Gruppen füllt.

Büroalltag. Dabei ist die besondere Situation der [EJH] durchaus spürbar: Jugendverbandsarbeit findet hier innerhalb einer größeren kirchlichen Erwachsenenorganisation, der Nordkirche, statt. Das bringt viele Vorteile mit sich: kurze Wege, Austausch und gemeinsame Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wie wichtig eigene Räume und unabhängige Abläufe für die jungen Ehrenamtlichen der [EJH] sind. Denn Jugendverbandsarbeit folgt ihrer eigenen Logik. Sie ist unangepasster, spontaner und lebt von Gemeinschaft, demokratischen Abstimmungsprozessen in Gruppen und Beteiligung. Für ein eigenes Jugendbüro wurde im Vorfeld des Umzugs mit viel Einsatz diskutiert und gerungen – nicht allein aus Prinzip, sondern weil Räume Einfluss darauf haben, unter welchen Bedingungen Selbstorganisation und Beteiligung junger Menschen überhaupt erst möglich werden und wachsen können.

Wer durch die Flure der ersten Etage läuft, merkt schnell, dass das Jugendbüro anders funktioniert als die übrigen Arbeitsbereiche im Haus. Während im Bürokonzept der Nordkirche Desk-Sharing, flexible Arbeitsplätze und effiziente Raumnutzung im Mittelpunkt stehen, braucht die Evangelische Jugend andere Bedingungen. Jungen Menschen, die sich hier ehrenamtlich engagieren, nützt ein anonymer Arbeitsplatz für ein paar Stunden nur wenig. 

Eigensinn. »Es wäre undenkbar, die Räume mit Menschen zu teilen, die einem normalen Büroalltag nachgehen«, macht Lucienne aus dem Vorstand der [EJH] deutlich. »Dann würden die wichtigsten Aspekte von Jugendverbandsarbeit wegfallen. Erst ein eigener Raum macht es möglich, die Umgebung jederzeit so zu nutzen und zu gestalten, wie wir es brauchen.«

Die Jugendverbandsarbeit der [EJH] lebt davon, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen, Projekte entwickeln, Treffen organisieren, Aktionen planen und Angebote von und mit jungen Menschen in der Evangelischen Kirche aktiv gestalten. Dafür braucht es Orte, die nicht nur funktional sind, sondern auch angeeignet werden können. Räume, in denen man bleiben darf, solange man möchte. In denen auch mal gemeinsam gegessen, diskutiert, laut Musik gehört oder gelacht werden kann.

»Unsere Jugendverbandsarbeit braucht einen Ort, an dem man sich ausbreiten kann, um kreativ zu sein«, so Karina aus dem Vorstand der [EJH]. »An dem sich mehrere Menschen treffen können, aber auch einen Rückzugsort zur Konzentration. Und eine gemütliche Atmosphäre.«

Das neue Jugendbüro in der Gaußstraße soll deshalb nicht nur Arbeitsort sein, sondern Treffpunkt, Ideenraum und Anlaufstelle für junge Menschen aus der Jugendverbandsarbeit der [EJH]. Ein Ort, an dem sichtbar wird: Junge Menschen gestalten ihre Kirche selbst.