Heft 1-2017 , Rubrik Vielfalt. Jugendarbeit

fairplay macht Schule

Die Katholische Jugend Hamburg bringt mit dem fairplayer-Projekt Methoden der Jugendverbandsarbeit auf den Schulhof

Von Margit Braun, Katholische Jugend Hamburg

»Das große Ziel ist: Entwickelt ein eigenes Projekt in eurer Kleingruppe und überlegt wie ihr die Welt ein bisschen fairer machen könnt«, ruft die fairplayer-Teamerin Julia Jastrembski, beim fairplayer-Auftakt im Oktober 2016, von der Schulhofbühne den ca. 800 Schülern/innen des St. Ansgar Gymnasiums zu. Eine lebendige und erwartungsvolle Stimmung liegt in der Luft. »Klima, Wasser, Flucht und kritischer Konsum sind die vier Themen in dieser Woche, dazu bekommt ihr Impulse und Informationen und könnt dann entscheiden, an welchem Thema ihr weiterplanen wollt«, so Julia erläuternd. Ihr Mitmoderator Alexander Schmidt übernimmt und motiviert mit den Worten: »Wir sind schon sehr gespannt auf Eure Projekte, auf das was ihr euch überlegt und umsetzt und damit man sehen kann, dass wir alle fairplayer sind, gibt es für jeden von Euch ein fairplayer-Festivalband.«

Zeitgleich eilen weitere fairplayer-Teamer über den Schulhof. Sie machen entweder die letzten Handgriffe in der Welt im Zelt, sprechen mit dem pädagogischen Personal des Missio Trucks oder weisen die Gastgeber des World Cafés ein.
Die fairplayer-Teamer sind ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Sie kommen zumeist aus den Jugendverbänden und bringen diverse Gruppenleitererfahrung in Kinder- und Jugendgruppen mit. Ihre Rolle in der Woche ist ebenso bunt wie ihre Erfahrungen. Sie unterstützen die Organisationsabläufe, arbeiten mit den Schülern/innen in der inhaltlichen Nachbereitung der Inputs, ermutigen und motivieren in der Projektfindungsphase und arbeiten in dem fairplayer-Projektbüro – creative lab – mit.
Je nach Alter und Klassenstufe besuchen die Schüler/innen entweder die »Welt im Zelt«, den Missio Truck oder ein World Café. Diese erlebnisorientierten Inputs zu unseren Schwerpunktthemen öffnen ihnen Räume für selbstgesteuertes Lernen und Handeln. Begleitet werden sie durch fairplayer-Teamer in einer 90 minütigen Nachbereitung und bekommen hier Hilfestellung beim Nachspüren sowie beim Entwickeln eigener Ideen und Projekte.

Über 150 Projekte. Danach übernimmt das fairplayer-Projektbüro – creative lab – die Unterstützung der Schüler/innen bei der Umsetzung ihrer Projekte. Hier bekommen sie eine erste Rückmeldung zu ihrem Projektvorhaben und das creative lab ist außerdem die Anlaufstelle bei Hindernissen und Problemen. »Habt ihr überlegt, wer euch bei eurer Idee unterstützen kann, welche anderen Ansprechpartner könnt ihr noch finden, wie kommt ihr dorthin, Material findet ihr… .« Katharina Monnerjahn, Geschäftsführerin der Katholisch Studierenden Jugend (KSJ), beantwortet mit ihrem Team die Fragen der Schüler/innen und hilft bei der Lösungsfindung, wenn Probleme auftauchen. Über 150 Projekte entstehen in den ersten Tagen, und so ist vorstellbar, dass im Projektbüro eine geschäftige, laute und auch etwas chaotische Stimmung herrscht. Unterstützt werden die Schüler/innen auch von Ihren Klassenlehrern/ innen. Somit entsteht eine Art von Beratungstandem, dieses soll eine umfassende Begleitung bei der Projektentwicklung sicherstellen. Die Kleingruppen durchlaufen in ihrer Zusammenarbeit verschiedene Phasen, so können Störungen in der Gruppe auftreten, die Motivation schwinden oder auch Hindernisse und Widerstände sichtbar werden. Hier ist das Beratungstandem gefordert beizustehen, Ermutigung auszusprechen, den Blick auf Teilerfolge zu lenken und Lösungswege und Ideen mit den Kleingruppen zu entwickeln. Das von der UNESCO zertifizierte Projekt fairplayer sieht genau hier sein Herzstück. Selbstgesteuerte Räume für die Schüler/innen zu ermöglichen und ihnen eine eigenständige Planung und Umsetzung ihrer Ideen zuzutrauen. Aufgrund dieser Möglichkeit erleben wir, dass die Schüler/innen mit Freude und Elan über die Themen und ihre eigene Haltung reflektieren und in Kleingruppen Ideen weiterdenken und ausprobieren.

Herausforderungen. »Fairplayer – Du für die Welt« hat 2016 zum dritten Mal stattgefunden, entwickelt wurde es in der katholischen Jugendarbeit. Hauptkooperationspartner ist immer eine Schule und das Lehrerkollegium vor Ort sowie, wenn möglich, ein Jugendverband – wie 2016 die KSJ an der St. Ansgar Schule. Diese Kooperation birgt einige Herausforderungen in sich. Verschiedene Kulturen und Rollenverständnisse kommen zusammen: Eine Praxis von nonformalen Bildungsprozessen aus der Jugendarbeit begegnet einer Praxis von formalen Bildungsprozessen der Lehrer/innen, Pausenstrukturen werden innerhalb der Woche aufgehoben und der Schulalltag modifiziert. Die Verantwortung für ihre Projekt- und Zeitplanung übernehmen die Schüler/innengruppen, die Lehrer/innen hingegen sind in der Rolle als Begleiter gefordert und ihre geübtere Rolle als Wissensvermittler rückt in den Hintergrund. Sicherlich sind diese Verschiedenheiten und auch Strukturveränderungen nicht immer leicht auszuhalten. Ohne ein Knirschen in den verschiedenen Herkunftssystemen ist die Woche kaum durchführbar. Wichtig ist hier, dass eine gute und offene Kommunikation gelebt und die gemeinsame Arbeit in einer Steuergruppe aus der Schulleitung, Vertretern des Kollegiums, fairplayer-Projektleitung und Jugendverbandsleitung gebündelt wird. Die Steuergruppe sollte bestenfalls 10 Monate vor dem Projekt gegründet werden und eine monatliche, kontinuierliche gemeinsame Sitzungszeit einplanen. Aus der Steuergruppe werden die Informationen an die Lehrer/innen weitergegeben. »Kick Off«-Veranstaltungen für die Lehrer/innen vor der Projektwoche sind hilfreich, um auf der einen Seite über den Planungsstand des Projektes zu informieren sowie offene Fragen einzufangen und um über die veränderte Lehrerrolle ins Gespräch zu kommen. Nach den Erfahrungen aus 2016 erscheinen mir, eine gute Vorbereitung der gymnasialen Lehrer/ innen im Handlungsfeld Projektbegleitung und ein enger Austausch über den Verlauf der Kleingruppen während der Projektwoche, hilfreich.

Eine Art von Chaos. In der verbandlichen Jugendarbeit ist ein Arbeiten am und mit dem Prozess von Gruppen eine bekannte und bewährte Haltung und Leitlinie, so auch im Projekt fairplayer. Schule wiederum ist eng gebunden in der Erreichung von Leistungszielen, in der Umsetzung von Lernplänen und in klar geregelten Unterrichtsabläufen. In der fairplayer-Woche öffnen sich die vertrauten und bekannten Strukturen von Schule und die Schüler/innen gewinnen Freiräume für ihr Handeln. Hier muten wir den Lehrern/innen und auch den Schüler/innen eine Art von Chaos zu, das man aber auch, liebevoll betrachtet, eine neue Form von Lebendigkeit nennen kann. Miteinander über die eine oder andere Herausforderung zu schimpfen oder zu lachen, die Ideen der Schüler/innen zu bestaunen und an sie zu glauben, scheint mir hier ein richtiger Weg zu sein.

Ermutigt werden wir von den Schülerstimmen: »Super, dass wir so viel Eigenverantwortung haben durften!« Und: »So möchte ich öfters lernen, nächstes Jahr bitte nochmals fairplayer!« Oder: »Unser Projekt ist toll und hat auch noch Spaß gemacht. Danke, dass ihr an uns geglaubt habt.«

Resümee. In der Publikation »deutsche Jugend« schreibt Karina Schlingensiepen-Trint in ihrem Artikel »Einmischen lohnt sich«: »Programmatisches Ziel kommunal abgestimmter Konzepte von Bildung ist es, durch das Zusammenspiel verschiedenster Bildungsakteure vor Ort für Kinder und Jugendliche bestmögliche Bildung erlebbar zu machen.« Sie bringt damit auf den Punkt warum Projekte wie »fairplayer« und »mit Toleranz gegen Rechts« so wichtig und bereichernd sind.

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Info: fairplayer
fairplayer ist ein Bildungs- und Partizipationsprojekt der katholischen Jugend Hamburg.
2014 wurde es von der UNESCO für nachhaltige Bildung ausgezeichnet. Ziel ist es die Schüler/ innen zu sensibilisieren, wie sie mit sich, mit anderen und der Umwelt verantwortungsvoll und vorausschauend umgehen können. In der Woche werden die Schüler/innen durch erlebnisorientierte Impulse und durch Informationen zum eigenen aktiven Handeln ermutigt. Sie werden angeregt sich für eine gerechte und friedliche Welt einzusetzen, natürliche Ressourcen kritisch zu betrachten und ihre eigene Haltung zu überdenken. fairplayer findet bisher einmal im Jahr an einer katholischen Schule in Form einer Projektwoche statt.
Nähere Infos finden sich unter: http://fairplayer.kjh.de